Ökologische Erneuerung der Ruhr – Spatenstich!

Vergangenen Donnerstag, am 12. Juli 2018, hatte die Bezirksregierung Arnsberg in die Ruhr-Auen bei Wengern eingeladen. Der Flussabschnitt zwischen Witten-Bommern und Wetter-Wengern wird ab sofort im Zuge der europäischen Wasserrahmenrichtlinie abgeflacht, renaturiert und ökologogisch aufgewertet werden.

Mit anderen Worten wird die „kanalartige“ Struktur der Ruhr „entfesselt“ und nahezu in ihren ursprünglichen Zustand gebracht. Der insgesamt 219 Kilometer lange Fluss soll zudem auch intensiver von seinen Nebengewässern, Bächen wie die Elbsche, bewässert werden. Damit verknüpft ist das Ziel, mehr Artenreichtum zu schaffen um Fischen, wie der Barbe, durch Schotterbänke angemessene Laichplätze bieten zu können.

Bernd Müller von der Bezirksregierung Arnsberg outete sich in seiner Begrüßungsrede als „Gelegenheitsangler“, der in Dänemark gelegentlich aber begeistert fische. Er verbindet mit dem ehrgeizigen Projekt vor allem, dass „der Fluss wieder zu den Menschen kommt, und die Menschen wieder zum Fluss finden“. Auch der Wetteraner Bürgermeister Hasenberg zeigte sich angetan von diesem Meilenstein an „Naturrückgewinnung“ und erinnerte sich beeindruckt an die Einladung von Ulrich Detering, die Ruhr aus Perspektive des Leitfisches, der Barbe, zu sehen. Die Ruhrgestaltung liege zudem nah am Ruhrradwanderweg und erhöhe, auch durch die beiden geplanten Aussichtshügel, den touristischen Reiz und Wert der Region.
Stefan Rommelfänger, Stadtbaurat in Witten, hob hervor, dass die Zusammenarbeit der Ruhrstädte den Strukturwandel fördere und mit der ökologischen Verbesserung den Bürgerinnen und Bürgern mehr an vielfältiger Natur ermögliche.

Schließlich erläuterte Michael Sell das komplexe Bauvorhaben und konkretisierte anhand der im Gelände aufgestellten Schautafeln die erforderlichen Schritte: „Wir benötigen dringend Großgerät, um die starken Steine aus der Uferschüttung zu bergen. Die wurden damals eingesetzt und begradigten den wilden Lauf der Ruhr.“ Diese Uferverbauung zieht sich kilometerlang an der Ruhr entlang und verhindere natürliche Entfaltung: „Die Fische fühlen sich darin nicht wohl, allenfalls ein paar Aale. Auch Vögel wie der Eisvogel finden im gegenwärtigen Zustand des Uferbereichs keine Wände für Nisthöhlen“, erklärt der Landschaftsgestalter. „Für die Fische werden Schotterbänke in einem weiteren Schritt angelegt, wie es sich für einen Mittelgebirgsfluss gehört.“
Bei diesen Umbaumaßnahmen wird reichlich Schlamm entstehen, der wiederum Fische gefährde, weil sich die Kiemen zusetzen könnten – die Tiere würden ersticken. Das wird ein Umsetzen erfordern, welches unter anderem durch den Sportfischerverein Witten unterstützt wird.

Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher freuen sich auf die Umsetzung der ökologischen Verbesserung, die 2019 abgeschlossen sein soll.
Ein paar Schnappschüsse geben Eindrücke des feierlichen Spatenstichs wieder, der unter großem öffentlichen Interesse bei bestem sommerlichen Wetter stattgefunden hat.

Lesetipp: 219,3 kilometer im fluss - Das Ruhr-Buch; Bierther, von Braunschweig, Fischer u. a., hellblau Verlag